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Radio Luxemburg

"die fröhlichen Wellen"

Geschichte | 
 

Geschichte

 

Am 15. Juli 1957 begann im Studio 4 in der Villa Louvigny in Luxemburg die Erfolgsgeschichte von Radio Luxemburg. Mit seinem populären Programm fesselte der Sender die jungen Zuhörer vor den Geräten.
Der Grund warum Radio Luxemburg so beliebt bei den jungen Leuten war, liegt auf der Hand, wenn man an sich an die Sender der damaligen Zeit erinnert. Denn die öffentlichen Radiosender sendeten ausschließlich konservatives Programm. Radio Luxemburg fiel komplett aus dem Rahmen. Das gefiel.

In keinem anderen Sender war es üblich die Sprecher mit Vornamen anzusprechen. Hier schon. Damit ein Name nicht doppelt vorkam oder damit es keine ähnlichen Namen gab, wurden einige Moderatoren gebeten sich einen „Künstlernamen" auszudenken. Auch die Form mit den Hörern zu sprechen war neu und anders. Sie wurden geduzt und es wurde mit ihnen gelacht.

Camillo Felgen stieß 1958 zu Radio Luxemburg und wurde Leiter des deutschen Programmes. Im selben Jahr wurde er zum ersten deutschen Programmleiter und rief die erste deutschsprachige Hitparade ins Leben. Dabei stimmten die Hörer per Stimmzettel in ausgewählten Sparkassen ab. Um den Zuhörern einen Ansporn zu geben mitzustimmen, wurden in den Sendungen Gewinner gelost welche mit einem Preis belohnt wurden.
Auch gilt Camillo Felgen als Erfinder des Slogans „die fröhlichen Wellen von Radio Luxemburg". 1968 sagte er Radio Luxemburg ade um frei zu arbeiten. Er legte sich ein Pseudonym zu und verfasste sämtliche Lieder. Darunter waren auch einige deutsche Texte der Beatles Songs wie zum Beispiel „Komm gibt mir deine Hand" oder „Sie liebt dich".

Nach dem Ausstieg wurde Frank Elstner sein Nachfolger. Frank Elstner wurde 1964 in die „Radio-Luxemburg-Familie" aufgenommen. Damals wurde er vom Sender gebeten sich einen anderen Namen zu suchen, denn eigentlich heißt Frank Timm. Der Name Frank war schnell gefunden, denn das war der Name seines Bruders.
Frank Elstner war eine Ideen-Kanone. Daher kam es auch oft genug vor, dass er seine Radiokollegen um 3 Uhr früh zu sich bat um 100 neue Ideen auszuklügeln. „Hier Frank - wer da?", „Der fröhliche Wecker", „Die Funkkantine" und viele andere Sendungen von Frank Elstner feierten große Erfolge.
„Hitparade" und „die großen Acht" moderierte er, nachdem Camillo Felgen den Sender verlassen hatte. Bei „die große Acht" wurden während der Sendung wechselnd große Plattenläden in Deutschland angerufen um nach den Verkaufszahlen zu fragen. Tatsächlich wurden in den Geschäften Strichlisten geführt um zu sehen was sich wie gut verkauft.

Dieter Thomas Heck der eigentlich Carl-Dieter Heckscher heißt sollte eigentlich nur die Urlaubsvertretung für Camillo Felgen sein. Im Endeffekt war er von 1965 bis 1966 beim Sender tätig. Für seine Namenssuche ließ man sich etwas Besonderes einfallen. Das Bravo Magazin startete die Aktion „Diskjockey ohne Namen". Der Name Thomas war gefunden.

Auch als Urlaubsvertretung begann Hans Werner Lange. Werner - wie er von den Radiokollegen und den Zuhörern genannt wurde - träumte schon immer von einer Radiokariere. Von seiner Tante ließ er sich dann raten eine Stimm- und Sprecherausbildung zu machen. Immer wieder stolperte er in der Zeitung über eine Anzeige, dass ein Sprecher bei Radio Luxemburg gesucht sei. Er nutze seine Chance, fasste sich ein Herz und stellte sich vor. Ein paar Tage später wurde er gebeten eine Urlaubsvertretung zu machen. So nahm die Kariere ihren Lauf.

Auch eine Dame gab es in der Runde der fröhlichen Radio Luxemburg Sprecher. Nämlich Helga Guitton. Seit 1946 gehört Helga neben Frank Elstner und Jochen Pützenbacher (1970) zu den Stars des Senders. Sonntags moderierte Helga das „Wunschkonzert". Es wurde zu einer ihrer Lieblingssendungen. Im den folgenden Jahren moderierte sie Sendungen im vielgehörten Tagesprogramm wie z.B.: „Miniprogramm", „Herrenmagazin", LP-Parade" und im Duett mit Jochen Pützenbach „Tag Schaz, Tag Spatz" und viele mehr.
Bevor Helga zum Sender kam nahm sie Ballett- und Schauspielunterricht und machte eine Ausbildung zur Übersetzerin (Englisch und Französisch).

Bevor Achim Graul bei Radio Luxemburg startete, war er mit seiner Band „Merseyteens" in Deutschland unterwegs. Bei einem Besuch von RTL London wurde ihm ein Job als Sprecher für das deutsche Programm angeboten. „Rock'n'Roll-Music", „Soundcheck" und „RTL-Trommelfell" waren typische Sendungen die er moderierte.

Nach dem Krieg arbeitete Hans Karl Schmidt in Montreal als Sprecher seine erste eigene Rundfunksendung („Dies und Das zum Wochenende") bei CHRS. Danach bewarb er sich bei allen deutschen Sendern. Bei einer Mirkifonprobe beim deutschen Studio von Radio Luxemburg wurde er von Camillo Felgen entdeckt. Bei Radio Luxemburg nennte er sich nun fortan „Henry". Er erfand sich einen virtuellen Partner namens „Atze". Mit ihm (also mit dem virtuellen Atze) moderierte er die Sendungen. Atze bekam einen Berliner Dialekt und Henry sprach ‚normal‘. Die Show mit Atze („Atze & Co) war ein früher radiokultiger Gag der wie folgt war: Henry als Hauptstimme in Hochdeutsch der Blödeldialoge mit Atze (eigentlich sich selbst) im Berliner Dialekt führte.
1964 verließ Hans Karl Schmidt den Sender.

„Franz" Enno Spielhagen arbeitete von 1958 bis 1964 bei Radio Luxemburg. Sein Name entstand durch den Satz „Wenn ihr beim Jazz Schularbeiten machen könnt, heiße ich Franz". Darauffolgend wurde er von den Zuhörern Franz genannt. Er hatte einige Sendungen (die sich inhaltlich weder auf Pop noch Rock bezogen) und wies auf qualitativ Hochwertige Schlager hin.

1963 begann „Jörg" Jürgen Ebner bei Radio Luxemburg als Discjockey. Er war der Mann für alle Fälle. Er moderierte die „RTL Hitparade" (Nachfolger von Thomas Gotschalk und Bernhard Brink), „Neunzehn-Vierundzwanzig" und „Rückblende".
Auch nannte man Jörg „Hit Professor". Seine Klassiker im Programm (die fast 30 Jahre liefen) waren „Hits aus aller Welt" mit aktuellen Charts aus England und Amerika, „Gefragt - gespielt" als eine in das Abendprogramm eingebundene Sendung wo er Hörern Oldie Wünsche erfüllte (Nicht alle genannten Sendungen stammen aus den 60er Jahren).

„Rolf" Röpcke (der eigentlich Wilfried heißt) kam 1968 zum Sender und begann als Sportmoderator. Auch den fröhlichen Wecker übernahm er hin und wieder. Immer mit dabei war „Quietischi" ein Plüschaffe. Seine persönliche Definition von RLT war: Rundfunk Tiger Liebe.

Jedoch wurde bei Radio Luxemburg nicht nur auf Deutsch gesendet sondern auch auf Englisch. „2-0-8" (sprich: two o eight) war das englischsprachige Programm und war vor allem in Großbritannien populär.
Mit dem auftauchen von Piratensendern nahm die Zuhörerschaft ab. Doch Piratensender hatten eine begrenzte Lebensdauer also waren sie keine bedrohliche Konkurrenz.

Viele von den damaligen Sprechern von Radio Luxemburg sind heute noch bekannt denn der Sender war das ideale Sprungbrett für sie. Immerhin erreichte Radio Luxemburg zu Spitzenzeiten (60er und 70er Jahre) 21. Mio. Zuhörer. Egal ob rauschen, knistern oder andere Störungen herrschten, die jungen Leute wollte Radio Luxemburg um jeden Preis hören. Hauptsache man hatte ihn.

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