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Hill Wagner Showband

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Bandgeschichte

Hill Wagner Showband, 1964 
Hill Wagner Showband, 1964
 

Seit 1962


Fürstenfeld


Alfred Wagner: Gitarre, Gesang
Erich Reinberger: Bass, Akkordeon (bis 1966)
Franz Erhart: Trompete, Posaune (1966-68)
Fritz Bukowski: Schlagzeug (bis 1965)
Georg Pferschy: Trompete
Helmut Wagner: Gitarre, Gesang
Hermann Koller: Schlagzeug (ab 1965)
Leo Josefus: Saxofon (ab 1968)
Ludwig Hafner: Saxofon, Klarinette (bis 1968)
Walter Strobl: Orgel (ab 1968)

In den 50er Jahren trat mit dem Rock'n Roll-Begründer Bill Haley und weiteren Musikern wie Elvis Presley und Chuck Berry bis hin zu den Beatles und den Rolling Stones in den 60ern eine völlig neue Auffassung von Musik ihren Siegeszug um die Welt an. Die junge Generation zeigte Spaß an dieser neuen, wilden Strömung und entfernte sich in weiterer Folge immer mehr vom Elternhaus. "Wir sind die, vor denen unsere Eltern uns gewarnt haben", ein Buch von STS-Sänger Schiffkowitz beschreibt diese enormen gesellschaftlichen Umwälzungen der 60er Jahre. Die neue Musik als Trägermedium gelangte schließlich auch in die Oststeiermark und fand dort begeisterte Aufnahme. Bald hatten sich verschiedene Formationen gebildet, die diese Musik nachspielten und dabei oft die Elterngeneration herausforderten. In gemäßigter Form geschah die Verbreitung dieser Musik in den Tanzmusiken der beginnenden 60er Jahre mit Hill Wagner and his Showband oder Atlantis, da man auch viele deutsche Schalger im Programm hatte. In radikalerer Form geschah dies ab Mitte der 60er Jahre mit den Dirtles und Music Machine, wo man auch versuchte, eigenes musikalisches Terrain zu betreten. In dieser Zeit bereits lässt sich die moderne Popularmusik grob in zwei Richtungen aufteilen:

Einerseits die Tanzmusik verschiedener Ensembles, die als Untermalung zu diversen Anlässen oder auf Bällen und Tanzveranstaltungen begleitend fungierte, andererseits die Rock- und Popmusik, die ab den 70er Jahren unter der Bezeichnung "Austropop" geführt wurde und zu Beginn der 80er Jahre ihren Höhepunkt erreichte. Und für beide Richtungen gibt es eine anschauliche Zahl von Fürstenfeldern, die diese Entwicklungen mitgetragen haben.

Eine der ersten Fürstenfelder Formationen, die die moderne Tanzmusik in ihrem Programm hatte, war die Band um den heutigen Hauptschuldirektor Helmut Wagner. Als Gründungsmitglied, Sänger, Gitarrist und E-Bassist von Hill Wagner and his Showband rief er im Frühjahr 1961 die Concordia-Band ins Leben. Nach mehreren Umbesetzungen kristallisierte sich eine Grundbesetzung heraus, die mit kleineren Variationen über lange Zeit hinweg unverändert blieb. Neben Helmut Wagner und seinem Bruder Alfred "Fredy" Wagner (E-Gitarre und Gesang) wirkten Ludwig "Lionel" Hafner (Saxophon und Klarinette), Erich "Rickerl" Reinberger (E-Bass und Akkordeon), Georg "Schurl" Pferschy (Trompete) und Fritz Bukowski (Schlagzeug) mit. Neben ihrer Beschäftigung in der Band gründeten die Musiker noch den Jugendclub "Concordia", um in regelmäßigen Abständen Tanzveranstaltungen für Jugendliche anzubieten (und sich daneben auch ein erstes Auftrittspodium zu schaffen). Durch erste Einnahmen konnte man nach und nach das eher einfache technische Equipment der Band verbessern, was schließlich mit dem frechen Schmuggel einer gesamten Verstärkeranlage aus Deutschland nach Österreich einen riskanten Höhepunkt erreichte. Der Jugendclub veranstaltete auch Schlagerwettbewerbe, die über Fürstenfeld hinaus Bekanntheit erreichten. Einer dieser Wettbewerbe
sollte der erste öffentliche Auftritt des späteren STS-Sängers Günter Timischl werden, der mit 13 Jahren als Mitglied eines Duos auftrat.

Nach Auseinandersetzungen mit dem Jugendclub traten die Bandmitglieder aus, um ihre eigenen Wege zu gehen.Ein erstes Zeichen dieser nun folgenden Veränderungen war die Umbenennung von Concordia-Band in Hill Wagner and his Showband.

Trotz fortwährender existenzieller und organisatorischer Probleme schafften es Helmut Wagner und seine Band von Jahr zu Jahr mehr Auftritte zu absolvieren. Ihr Betätigungsbereich reichte dabei von
der gesamten Steiermark und dem Burgenland bis zu einigen Gastspielen in Slowenien. Das Programm von Hil Wagner bestand aus Coverversionen der damaligen Tanzmusik, durchsetzt mit witzigen Einlagen und Parodien. Vor allem letzteres wurde zu einem Markenzeichen der Band, wie Helmut wagner heute noch betont, "da es in der Gegend so etwas nicht gegeben hat". Einen Höhepunkt in der Geschichte von Hill Wagner stellen die Engagements bei dem weit über die regionalen Grenzen bekannten "Burgauer Strandfest" dar, wo sich die Band auch erstmals mit einem neuen einheitlichen Outfit zeigte.

1964 sollte der grosse Aufstieg der Band eingeleitet werden. Neben über 40 Auftritten konnte die Band ein konzert mit dem damals international bekannten Schlagerstar Bruce Low gestalten, das ihnen eine enorme Publicity einbrachte. Im Jahr darauf gab es wieder einige Umbesetzungen und Franz Landgraf, ein Fürstenfelder Paradeoriginal, der später bei den Old Stoarieglern und bei der Beisl Band mitwirken sollte, kam als Bandmitglied hinzu. Ein weiterer kultureller Höhepunkt für Fürstenfeld in dieser Zeit war die Organisation einer Jazz-Messe in der katholischen Kirche unter dem damaligen Stadtpfarrer Dr. Karl Friedrich Schwarz. Die heimische Presse schrieb darüber: "Das Experiment gelang voll und ganz." Im Zuge dieser Jazzmessen kam auch der Klarinettist Hannes Hödl zum Einsatz, der dadurch für Günther Freiberger für die Freiberger Musikanten zum Thema wurde. 1968 verunglückte der Klarinettist Ludwig Hafner tödlich und seiner Musikerkollegen spielten ein letztes Mal für ihn an seinem Grab.

Nach 17 jahren ununterbrockener Tätigkeit als Tanzmusikgruppe zogen sich Hill Wagner 1978 als Band aus dem Musikgeschäft zurück. Fürstenfelds Regionalzeitungen brachten Abschiedsartikel, aber Hill Wagner and his Showband waren noch nicht ganz Geschichte. 1985, sieben Jahre später, reunierte sich die Band in der letzten Besetzung vor der "Schaffenspause" und spielte anlässlich einer Geburtstagsfeier. Seither treffen sich die Musiker von Zeit zu Zeit und trten hin und wieder bei verschiedenen Veranstaltungen wie Bällen oder Bockbieranstichen auf. Auflage von Helmut Wagner ist es jedoch, das musikalische Programm nicht zu verändern. Hill Wagner spielen auch heute nur die Musik bis 1978, was noch mehr Nostalgie in den Sound der Gruppe einbringt.

Hill Wagner bereicherten für 2 Jahrzehnte die Fürstenfelder Tanzmusikszene um eine Band, die durch aktuelle Musik wie kabarettistische Einlagen begeistern konnte. Bezeichnend soll hier ein Zeitungsartikel anlässlich des 15-Jahr-Jubiläums sein:

Das Geheimnis dieses Sextettes, das sich zum Unterschied von anderen Musikkapellen noch immer großer Beliebtheit erfreut, liegt im Teamwork und im musikalischen Engagement jedes einzelnen. Stärke der Band sind Eigenarragements, und in ihrem Repertoire findet sich fast alles, was in den letzten 20 Jahren gang und gäbe war. Was wäre aber die beste Musik ohne Show? Auch dafür hat "Hill Wagner" einige Accessoires auf Lager, die das musikalische Angebot dieser traditionsreichen Fürstenfelder Band bereichern.

(aus der Chronik der Stadt Fürstenfeld 2000, Seite 660 ff.)

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