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Schlauch

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Bandgeschichte

Schlauch, Schacht Nord, 1995 
Schlauch, Schacht Nord, 1995
 

1991-1997

Andreas Kaltenböck
Casper Zehner
Gerald "Garfield" Trummer
Gerold Muhr
Sven Fürst
Thomas Weghofer

 

 

 SCHLAUCH - gegründet im Frühjahr 1991 mit dem vordringlichen Ziel der Entwicklung und Bau von Klangmaschinen,Steuerungseinheiten, Triggerschaltungen und Feedbacksysteme auf Analoger Basis. Der Begriff „Musik" wurde zugunsten des erweiterten neutral gehaltenen Begriffs „Lauterzeugung" bald aufgegeben. Diese Zugangsweise war nicht neu, zum Beispiel existierte diese Auffassung von Klang bereits in den späten 70er Jahren innerhalb der subculture des Industrial.
SCHLAUCH nahm diese historische Etappe auch bewußt auf und versuchte die damaligen Rahmen- und Randbedingungen in die 90er zu transferieren.
Experimente im Extrembereich mit Organischem Material - vorwiegend mit dem eigenen Körper, wurden Richtungsweisend für die Arbeit des Kollektivs. Illegale Auftritte und Aktionen werden im September 1993 mit dem Video "Lärm ertragen" veröffentlicht.
Zusammen mit authentischem Tonmaterial aus einer Psychiatrischen Anstalt entsteht im Mai 1994 die CD "Eintragung ins Kursbuch". Im Oktober des selben Jahres wird das Live-Video "91-04-18028" veröffentlicht.
Eine Serie von Performancereihen und Auftritten im In und Ausland folgen.
Öffentliche Auftritte von SCHLAUCH werden zu Intensivsituationen, Räume durch radikale Konstruktionen verdichtet, Geruchswelten geschaffen, und alle Sinnesorgane in hirachischer Gewichtung, ausgehend vom Ohr, attackiert.
Wo Radikalisierung konsequent weiterbetrieben wird, kommt früher oder später jener Bruch, den SCHLAUCH gegen 1997 auch erfuhr: Die Ausreizung der Stile und akustischer Monstrosität war an ihrer Grenze; die Kunstwelt begann "Interesse" zu zeigen: weiteres Beharren auf erarbeitete Stile hätte den Beginn der eigenen Musealisierung und Kommerzialisierung von SCHLAUCH als Ware bedeutet. Dies sollte nicht sein. Man beschloß die Auflösung von SCHLAUCH.
Einzelne Mitglieder bildeten in der Folge neue Arbeitseinheiten und verfolgten ihre eigenen Wege von Klangerzeugung und/oder Kunst. (Schlund, Firn, Nuoc mam Dirlndl'n, Dogboys)

(Offizieller Infotext von Schlauch)


Ausführliche Geschichte und Konzept der Band SCHLAUCH:

Frühjahr 1991: Sven Fürst und Garfield gründen einen Arbeitskreis deren Ziel die Entwicklung und Bau von Steuer / Triggerschaltungen / Feedbacksysteme etc. ist. Instrumente und Alltagsgegenstände werden zur Klangerzeugung zweckentfremdet, Klangerzeuger aus allen sich bietenden Materialien, Metall-Stein-Knochen-Haut- Flüssigkeiten etc. gebaut, und über die selbstgebauten elektronischen Systeme geschickt und gesteuert.

Sommer 91: Andreas Kaltenböck und Thomas Weghofer schließen sich dem Arbeitskreis an.
Das Kollektiv SCHLAUCH, mit dem Schwerpunkt auf das Soundgeschehen und dem vordringlichen Ziel der Verstörung wird gegründet. So werden Experimente, den eigenen Körper unter Stromschlägen akustisch zu erfassen, eine Arbeit im Extrembereich, Richtungsweisend für die Arbeit des Kollektivs.

Im Sommer 1993 schließt sich Casper G. Zehner den Arbeitskreis an.
Illegale Auftritte und Aktionen werden im September 1993 mit dem Video "Lärm ertragen" veröffentlicht. Zusammen mit dem Tonmaterial das Andreas K. in einer Psychiatrischen Anstalt , dort als Pädagoge beschäftigt, erarbeitet hat, entsteht im Mai 1994 die CD "Eintragung ins Kursbuch".

Im Mai 1994 stoßt der Musiktheoretiker Gerold Muhr zu SCHLAUCH.
Im Oktober des selben Jahres wird das Live-Video "91-04-18028" veröffentlicht.
Eine Serie von Performancereihen und Auftritten im In und Ausland folgen.

Wo Radikalisierung konsequent weiterbetrieben wird, kommt früher oder später jener Bruch, den SCHLAUCH gegen 1997 auch erfuhr: Die Ausreizung der Stile und akustischer Monstrosität war an ihrer Grenze; die Kunstwelt begann ´Interesse´ zu zeigen: weiteres Beharren auf erarbeitete Stile hätte den Beginn der eigenen Musealisierung und Kommerzialisierung von SCHLAUCH als Ware bedeutet.
Dies sollte nicht sein. Man beschloß die Auflösung von SCHLAUCH.
Einzelne Mitglieder bildeten in der Folge neue Arbeitseinheiten und verfolgten ihre eigenen Wege von Klangerzeugung und/oder Kunst.

Ausgehend von der experimentellen Auseinandersetzung mit Musik wurde in der Arbeit von SCHLAUCH der Begriff der "Musik" bald aufgegeben zugunsten eines erweiterten, bewußt neutral gehaltenen Begriffs von "Lauterzeugung". Diese Zugangsweise war nicht neu, zum Beispiel existierte diese Auffassung von Klang bereits in den späten 70er Jahren innerhalb der subculture des Industrial.
SCHLAUCH nahm diese historische Etappe auch bewußt auf und versuchte die damaligen Rahmen- und Randbedingungen in die 90er zu transferieren. So wurden in der Folge nicht nur die Entstehungsbedingungen von Klang und daraus unter Verschneidung "physikalischer", analoger und digitaler Instrumente die Produktion von Klang reflektiert, sondern auch das Sinnesphänomen Klang in seinen Bestandteilen radikalisiert: Klang überschritt oft in Struktur und Lautstärke die Schwelle zum Lärm, Subbässe etwa überschritten in ihrer Rezipierbarkeit die Grenze zu anderen Sinnesorganen.
Einhergehend mit der intensiven Beschäftigung mit Klangentstehung und Erzeugung folgte in logischer Konsequenz die ebenso intensive Beschäftigung mit den Rezeptionsbedingungen von Klang.

Daraus ergab sich, daß öffentliche Auftritte von SCHLAUCH mehr und mehr minutiös konstruierte Intensivsituationen wurden, für die alle Dimensionen der Rezeption mit eingebaut wurden: Die Räume verwandelten sich in radikale Konstruktionen für die Körper der Zuschauer, die Raumtemperaturen näherten sich dem Siedepunkt an, Geruchswelten wurden konstruiert und mit den Klängen in Nase und Ohr der Rezipienten gepaart etc. Doch im Unterschied zu Konzepten wie jenem des Gesamtkunstwerks bestand bei SCHLAUCH hierarchische Gewichtung der Sinnesorgane: Im Zentrum stand das Ohr, für das infolge die gesamtkörperlichen Wahrnehmungsbedingungen geschaffen wurden als bis ins Extreme verdichtete Räume und Situationen-"Situationsverstülpungen".

Soundperformance in einem Entüftungsschacht des Plabutschtunnels in Graz. Performance mit Schwerpunkt auf das Soundgeschehen. Integration der aus dem Lüftungsschacht des Tunnels dringenden Geräusche und Klänge in die Struktur des Grundkonzeptes im Sinne wechselseitiger Klangkommunikation.

So treffen Lüftungs und Verkehrsgeräusche direkt auf die tonalen und Lärmklänge der SCHLAUCHschen Sound-Grundmuster Die Konzertsituation wird lokal vom Kontext eines öffentlichen Kulturraumes ins einerseits Waidmannsheilige des plabutscher Waldes, andererseits transportfunktionale des Entlüftungsschachtes, dritterseits ins unangemeldete des Veranstaltungspolizeilichen transportiert.

6/94 "91-04-18028"
Performance eines Konzertes im Sinne seiner räumlichen Positionsveränderung.
In dem ca. 3,5m hohen Veranstaltungsraum wurde im Ausmaß seiner gesamten Grundflächein 2m Höhe ein Zwischenplafond aus Baustahl eingezogen. Oberhalb des Gitters befand sich SCHLAUCH in gebückter 1,5m Position, unterhalb dieses Gitters befanden sich die Zuhörer und Seher.
Einsatz von Retro-aktionistischem fleisch als klang-und (visuelles) klischee-Material.
Einsatz von hoher Lautstärke und lärm-Inhalten als direkte akustische emotions-trigger.
Einsatz von Geruchsmaterial.
Einsatz vonHeizkanonen zur erhöhung der Raumtemperatur.

11/94 SCHLAUCH FONDUE
Versuch der Neukonzeption der Situation Filmpräsentation.
Unabhängig vom jeweiligen Bereich, aus dem Filme stammen (Komerz, Experiment) besteht ein Mangel an Miteinbezug der Vorführsituation. Die Vorführung war für SCHLAUCH ein Schritt in dieser Richtung. Teils ironischer Bezug auf die Show im ESC (91-04-18028) wurden 10 Seher-Stationen errichtet und mit abgestimmten Filmpartikeln des Videos versehen- gekoppelt mit der Möglichkeit des Fleisch - Fondierers und Trinkers: Party, Videoperformance, Kinoabend in einem-bereichert. Gestört durch Lärmattacken, dezente Fondueöl/Fleisch+Gemüsedüfte, unsichtbar über und ineinandergestülpt, verunsichert durch die unter Stromspannug stehenden netzartig über den Boden gespannten Stahldrähte.

TESTKANAL 11/94
Teilname an der Konzeption des Architekturprogramms für den steirischen Herbst 95 mit der Projektkonzeption "Testkanal" (unter ungeklärten Umständen in einer Kopfachitektur verschollen)
Das SCHLAUCH-Projekt versuchte mit der Modellvorstellung eines offenen, nonlinearen Systems über ein ganzes Jahr genetzt, muster von Architekturerzeugung und Reflektionen zu dekonstruieren.
Ort der Realisierung:Das Abwasserkanalnetz der Stadt Graz, wo auch das Projektvorstellungsvideo gedreht wurde.

1/95 LIVER/CHEESE/LIVE
Fondue weitertransportiert in Leberkäse.
In einem Netz von Videovorführungen ein 15-minütiger Auftritt von SCHLAUCH in den Kostümen männlicher Playboy-bunnies bzw. Teddybären, die unter exzessiven Einsatz von Tonabnehmern Leberkäse braten und ihn essen.

5/95 SPORTFLEISCH
Industrial-Abschiedsshow Sportfleisch im Link/Bologna/Italien.
150-prozentige Kopie eines Industrial-Konzertes aus dem Jahre 1982. Die an SCHLAUCH seitens des Veranstalters und des Publikums herangebrachte ausschließliche Industrial-Erwartung wurde von SCHLAUCH gesteigert, indem unter Erzeugung hyperrealistischer Industrialsounds unter hyper industrialesker Körper-Fisch-Tixo-Performance im Kreis agiert wurde. Die 10 minütige Grundshow wurde, sich intensivierend, sechsmal hintereinander wiederholt.

6/95 REFLEX
Akute Untersuchung der konstruktions und damit eingehend der entleerungs-Mechanismen, akustischer und virtueller Medien als Zwischenräume bildende Zeichensysteme, in Reflexion auf die Performance im ESC 1994, Errichtung eines Zwischenplafonds, diesmal aus transluzendem Kunststoff, Auftritt von SCHLAUCH in einem ebenso transluzenden Plastikquader in der Mitte des Raumes.
Erzeugung von Schemen und Schatten mittels Lichteinsatz.Einsatz von diversen Lichtmedien (Dia, Videobeam etc.) zur Erzeugung eines Bildknotens aus verschiedenen realitäts-Formen. Anstelle der visuellen Präsenz von SCHLAUCH erscheinen Ikonen aus den einschlägigen musikalischen und sexuellen Bereichen. Klanglich adaption und Weiterentwicklung verschiedener Stereotypen (Techno, Lärm usw.)

6/95 Teilnahme ander Veranstaltung RITES AND ORGIES OF CONFUSION am Rande der Ars Electronica 1995.

10/95 HUNDEMENGEN
Narrative sound und Spaceperformance in Zusammenarbeit mit dem Klub der slowenischen Studenten in Graz, (KSSS) im Rahmen der Eisernen Hochzeit Kärntens 1920/1995. Die Akteure vun SCHLAUCH und die Zuhörer/seher waren gleichsam gezwängt in ein räumlich-methaphorisches Labyrinth / Wohnzimmer / Schutt / Bunker / Schrebergarten der Heimat.

2/96 Grill Queen
In einem kleinen 50m² Kellerraum befand sich eine 20.000 Watt Tonanlage.
Von SCHLAUCH erzeugte Klänge im sensorisch stimulierenden, extrem Hoch und Tieffrequenzbereich- triggern 50Stk 1000 Watt Lichtstrahler, die knapp über Augenhöhe gleichmäßig auf die 4 raumumschließenden Wände verteilt das Publikum gleichermaßen sensorisch stimulieren.
Die Hitze der Strahler wurde genutzt HENDL zu braten, die sich vor den Strahlern drehten, und dem Publikum nach 5 stündigen Sound und Lichtattacken zum Verzehr gereicht wurden.
Die chill-out-Zone in der öffentlichen Herrentoilette wurde als solche eingerichtet, das heißt mit diversen sitz und ruhegelegenheiten (Sofas,Couches) vollgestellt. Zur Entspannung: beruhigendes Licht, Ambient Klänge von SCHLAUCH und auf Monitoren gezeigte Videofilme. Diese Filme stammten aus dem Bereich der Amateur-Pornos, die sich in fast kulthafter Obsession ausschließlich mit einschlägigen Handlungen an Brathühnern beschäftigen.

5-6/96 DUFTEN DRÜSEN
Drüsen als Produzenten körperinterner Botenstoffe, die als Ergänzung zum Nervensystem als Kommunikationsnetz dienen, stellen so einen wesentlich Bestandteil der Funktionalität des Körpers dar. SCHLAUCH verwendete diesen Ansatz in Hinblick auf das universelle Performancemodell der Gruppe, in dem alle fünf bis sechs Sinne involviert werden sollten. "Duften Drüsen" war die umfangreichste Performancereihe von SCHLAUCH, und tourte u.a. mit den Extremperformern "FUCKHEAD" und den deutschen "drone"-Spezialisten "DIE FEINEN TRINKERS BEI PINKELS DAHEIM" durch Österreich. "Erlebnisgastronomie brutal",(der Standard) war ein weiterer Entwicklungsschritt in diese Richtung, jedoch Abseits von den pathosüberladenen Kitschkonzepten und den Kunstselbstversuchen der sechziger und siebziger. Der Hinterhof war für diese deep-style-Show die Bühne, eine Performance fand statt, die eher einer Leberkässemmel mit Gurkerln ähnelte als einem Lachsbrötchen mit Kaviar.

10/96 DUFTEN HEER
Das Bundesheer feiert - SCHLAUCH feiert mit.
Anlässlich der Möglichkeit, an einer der materialaufwendigsten Performances im Graz der letzten Jahre seit 1945 teilzunehmen, kooperiert SCHLAUCH am 26. Oktober 1996 mit dem österreichischen Bundesheer und einer nicht dagewesenen Kunst & Heeresleistungsschau.Auf dem Dach der Kunstinstitution FORUM STADTPARK, die sich mitten im Kampfgebiet befindet werden Lautsprecher installiert, die eine Loop senden, der von SCHLAUCH zu Ehren seines Kooperationspartners BUNDESHEER ausgearbeitet wurde. Der friedliche Sängerstreit zweier befreundeter Einheiten währt aber nicht lange, das zwar beliebte, doch auch sehr Respekt gebietende MEK (Mobile Einsatz Kommando) der Grazer Polizei erscheint und beendet den SCHLAUCHbeitrag unter Androhung von zerstörischer Gewalt. Pfui!

11/97 DUFTEN FITTNESS
Mit dieser Show ging SCHLAUCH eine grossen Schritt in Richtung Sport. Die Performance wurde abgelöst durch das Schauturnen. Ort des Geschehens: das kitschistische Fitnessstudio eines ehemaligen Mr. Austria. Zusammen mit dem Steuerungsfetischisten aus Polen- Zbigniev Karkowski, wurden Fittnessgeräte mit Sensoren und Impulsgeber ausgestattet, die bei Benützung Prameter des digitalen Soundsystems veränderten. Moderation, Gewinnspiel, Showgirls, Preisverleihungen.

www.schlund.nu

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